Amtsrat Breymann

Der Gründer des ehem. Magdeburgischen Husaren- Reg. Nr. 10

Von Dr. Peper- Bernburg ( Saale )

In dem jetzt zu der Stadt Bernburg gehörigen ehemaligen Rittersitz Roschwitz erhebt sich dicht an der Hauptstraße ein schlichter Gedenkstein mit folgender Inschrift:

„Amtsrat C. F. Breymann in Roschwitz von 1789- 1821. –Gründete in schwerer Zeit das Magdeburger Hus.- Regt. Nr. 10. –Retter Schills und Lützows.“ Auf die hier hingewiesenen drei Taten soll nun im folgenden kurz eingegangen werden.

In den napoleonischen Kriegen gehörte das Herzogtum Anhalt- Bernburg auch zu den Staaten, die den französischen Eroberer Geld und Truppen stellen mussten. Jede Aeußerung nationaler Gesinnung war streng verboten. Es gab aber doch mutige Männer, die ihr Deutschtum nicht preisgaben und sich große Verdienste um die nationale Sache erwarben. Zu diesen Leuten gehörte auch Amtsrat Breymann, der Pächter der herzoglichen Domäne Roschwitz. Er war ein ganzer Mann und glühender Patriot und ist wohl wert, der Vergessenheit entrissen zu werden. Im Jahre 1806 hatte er schon Schill vor den Franzosen gerettet, die damals Bernburg und Umgebung nach der siegreichen Schlacht bei Jena besetzt hielten; er hat ihn einige Zeit auf seinem Vorwerk Leipzig versteckt gehalten. Zum Dank dafür schenkte Schill ihm seine silberne Schnupftabakdose, die sich noch heute im Besitz der Familie befindet.

Auch der Freiherr von Lützow, der bekannte Führer des nach ihm benannten Freikorps, erfuhr Breymanns Hilfe, als das Freikorps am 17. Juni 1813 bei Kitzen aufgerieben war. Der Major entkam mit wenigen Begleitern im Schutze der Nacht und ritt in westlicher Richtung weiter;

Und es gelang ihm, bei Merseburg über die Saale zu kommen. In einer einsam gelegenen Mühle bei Eisleben verweilte er einige Stunden, bemüht, etwaige Nachzügler zu sammeln. Am 19. Juni fand er auf dem südwestlich von Eisleben liegenden Gut Mittelhausen freundliche Aufnahme. Inzwischen hatte sich seiner Leute, der Jäger Masius, nach Roschwitz durchgeschlagen. Er war hier bei Amtsrat Breymann bis vor kurzem in Stellung gewesen und erhoffte sich von seinem ehemaligen Dienstherren Aufnahme und Unterstützung. Roschwitz lag voll Soldaten; der Kommandeur der in französischen Diensten stehenden anhaltischen Kavallerie, General Bürkner, hatte sogar hier sein Quartier. Trotzdem leistete der Amtsrat die erbetene Hilfe. Etwa gleichzeitig erschien ein Schäfer und überbrachte eine geheime Meldung von Lützow. Man hatte ihm den Brief unter den Absatz des Stiefels gesteckt. In diesem Schreiben bat der Major den Amtsrat um Hilfe und sprach die Hoffnung aus, das sich sein Jäger Masius durchgeschlagen haben möchte.

Breymann sandte nun einen zuverlässigen Mann aus Gröna, der mit Masius zusammen die Lützower holen wollte. In der Nacht setzten beide bei Gröna über die Saale und gingen dann zu Fuß nach dem Gut Mittelhausen, wo sie am anderen Morgen eintrafen. Sie hatten also einen Weg von fast 40 km zurückgelegt. Teils zu Fuß, teils zu Wagen, verließ die kleine Schar dann am Abend Mittelhausen und eilte über Leimbach, Burgörner, Sandersleben nach der anhaltischen Domäne Bründel, wo man bei Tagesanbruch eintraf und bei dem Pächter, dem Schwager Breymanns, vorläufig Unterkunft fand. Bei einer in der Nähe gelegenen Krähenhütte verbrachten die Jäger den Tag; denn die Gegend wimmelte von Franzosen, da das Korps des Marschalls Rey hier in Anhalt- Bernburg lag. Eine direkte Unterstützung lehnte der Oberamtmann von Bründel aus Furcht vor den Franzosen ab.

So musste wieder Breymann helfen. Masius ging zunächst nach Roschwitz zurück und beriet mit dem Amtsrat auf dem nicht von den Franzosen besetzten Vorwerk Leipzig die weiteren Schritte. Am Abend holte Masius den Major Lützow mit einigen seiner Begleiter ab. Der treue Mann aus Gröna hielt einen Kahn bereit und setzte die Ankommenden über. Sie fuhren nun in einem geschlossenen Wagen des Amtsrats nach Roschwitz; traten durch eine Hintertür in den Gutshof ein, wo sie Breymann bewirtete und dann persönlich weiterbrachte.

Er ritt neben der Kutsche her und erkundete die Gegend, Masius folgte. Sie erreichten glücklich beim Saalhorn die Elbe. Auch hier stand ein Kahn bereit; Masius brachte den Major Lützow und seine Kameraden hinüber, kehrte aber dann mit Breymann nach Roschwitz zurück.

Sechs Tage später setzte Masius die übrigen Jäger nebst Pferden über die Elbe, sie waren bis dahin auf dem Vorwerk Leipzig verborgen gehalten worden. Zugleich wurde auch der Rittmeister von Bornstädt gerettet, der ebenfalls bei Breymann Unterkunft gefunden hatten. Diesmal war die Ueberfahrt schwieriger. Sie fand oberhalb des Akens statt; der patriotische Sattelmeister Ernst aus Aken, ehemaliger preußischer Unteroffizier, hatte den Kahn besorgt.

Große Vorsicht war vonnöten; denn es wimmelte von französischen Grenzwächtern und Posten. Mehrmals musste der tapfere Ernst hinüberfahren; denn es gingen mit Bornstädt und Masius eine stattliche Anzahl von Freiwilligen mit, die Breymann und Masius geworben und nach und nach an die Elbe gebracht hatten.

Der Jäger Masius stammte aus Bitterfeld. Nach dem frühen Tode der Eltern war Breymann sein zweiter Vater geworden und hatte ihn 1807 als Verwalter angenommen. Am 8. Februar 1813 folgte er als einer der ersten dem Aufruf des Königs von Preußen zur Bildung freiwilliger Jägercorps und trat sogleich in das Lützow’sche Corps ein. Masius war der Vater des bekannten Naturschriftstellers und Professors Masius. Lützow vergaß seinen Retter nicht und stand noch lange mit ihm in Briefwechsel.

Breymann soll sich auch einmal bei einer Feier zu Ehren Napoleons wenig ehrerbietig über den Unterdrücker seines Vaterlandes geäußert haben; vielleicht geschah das auch am 13. Juli 1813, als Napoleon durch Bernburg fuhr. Er wurde von einem Bernburger Kaufmann denunziert und sollte am nächsten Tag verhaftet werden. Sein ruhiges, vornehmes und furchtloses Auftreten aber imponierte dem französischen Offizier, und dieser soll gesagt haben: „Herr Amtsrat, ich hatte den Auftrag, Sie zu erschießen. Aber ein Mann, der mir mit solcher Ruhe gegenübertritt, kann das unmöglich gesagt haben. Ich nehme es auf mich, den Auftrag nicht auszuführen.“

Als dann die Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen und unsere Heimat wieder frei war, stellte Breymann sein ganzes Vermögen und seine ganze Persönlichkeit in den Dienst des Vaterlandes und gründete am 19.November ein Reiterregiment, das so genannte Elb- National-Husaren- Regiment. Die großen Geldmittel hat Breymann so gut wie allein aufgebracht, da sich die Verwandten und Freunde, die sich anfangs mit beteiligen wollten, schließlich zurückzogen. Der König nahm die hochherzige Spende dankbar an; das Regiment sollte in voller Kopfstärke von 750 Mann aufgestellt werden und grüne Uniformen erhalten.

Es wurde in Aschersleben  aufgestellt, hat sich in den Feldzügen 1814 und 1815 gegen Frankreich bewährt und kehrte lorbeergeschmückt in die Heimat zurück.

Obwohl Breymann nie Soldat gewesen war, so wurde er doch zum Dank für seine uneigennützige Hilfe zum Rittmeister befördert und hat in Aschersleben kurze Zeit das Regiment geführt; ins Feld hat er es nicht begleiten können. Er erhielt dann das Eiserne Kreuz 2.Klasse am weiss schwarzen Bande. Den ihm angebotenen Adel lehnte er dagegen ab. Nach dem Kriege sorgte er auch für die Invaliden seines Regimentes; Blücher dankte ihm dafür in einem herzlichen Brief.

Erwähnt mag noch werden, dass er 1806 dem König Friedrich Wilhelm und der Königin Luise auf ihrer Flucht sein Geschirr zur Verfügung gestellt hat und selbst eine große Strecke nebenher geritten ist. Die Königin dankte ihm in einem eigenhändigem Schreiben, das sich noch im Besitz der Familie befindet. Wenn der König später zum Besuch seiner Schwester nach Köthen kam, so besuchte er auch gelegentlich  den Amtsrat Breymann, der sich in schwerer Zeit als treu erwiesen hatte.

Breymann starb am 22. September 1821, erst 58 Jahre alt, und wurde auf dem Friedhof in Baalberge( bei Bernburg) beigesetzt. Leider ist sein Grab 1874 planiert worden.

Das von Breymann  gegründete Regiment hat seinem Gründer stets Ehre gemacht. Es stand erst in Aschersleben und anderen Orten, schließlich in Stendal. Wer kannte nicht früher in unserer Heimat die Ascherslebener Grünen Husaren!

Der Geist Breymanns, seine Opferbereitschaft und seine Vaterlandsliebe können uns zum Vorbild dienen.

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